Der nächste Bitte?

Grundsätzliches zum „Teilzeit-Blog“

Liebe Leser, an dieser Stelle will Ihnen Ihr Theo Tiger einmal mitteilen, nach welchem Turnus der Blog erscheint und wie man chronisches bloggen heilen kann, ohne dass man dafür seinem Arzt Vorkasse geben müsste.

Wir wollen uns an dieser Stelle gar nicht mit der Frage auseinandersetzen, was ein Blog tatsächlich ist und ob der Theo Tiger Blog diese Kriterien erfüllt. Bei aller Freude an trennscharfen Begriffen, sie erleichtern uns schließlich das Zusammenleben, ist es Ihrem Theo völlig egal, ob Sie hier nun einen Blog, ein Tagebuch, Randnotizen oder Gedanken zur Zeit lesen. Allen gemein ist es, dass in Abständen Einsichten geäußert werden, die Ergebnis eines mehr oder minder reflektierten Denkaktes sind, der durch ein mehr oder minder bedeutendes Ereignis angestoßen wurde. So wäre zumindest die Funktionsbeschreibung, die ich Ihnen hierzu gerne an die Hand geben würde.

Dieser Blog, nennen wir ihn ruhig so, schließlich steht es in der Überschrift, erfüllt im eigentlichen Sinn keine Aufgabe, allenfalls mag er anregen und unterhalten. Schon gar nicht darf der Blog oder das Bloggen (seltsam krude Wörter, die einen eher an Verstopfung, denn an Poesie erinnern) selbst zur Aufgabe werden. Aber gerade hier scheint das Problem zu liegen. Anders noch als zu Zeiten da rote Tonerde auf Höhlenwände gepinselt, die Feder über den Papyrus kratzte oder Gutenberg seine Lettern suchte, ist das Erstellen eines Textes oder Bildes – im technischen Sinn – wesentlich einfacher und schneller geworden. Zugegeben, für jeden der vor einem Computer sitzt, und wenn Sie dies lesen sitzen Sie da ja, mag dies ein böser Allgemeinplatz sein. Worauf Ihr Theo Tiger aber hinaus will, sind nicht die Kosten oder die eigentliche Geschwindigkeit, sondern, die sich aus den gesunkenen Kosten und der gesunkenen „Erstellgeschwindigkeit“ ergebende höhere Taktzahl und deren quantitative Konsequenz!

Längst ist der Blog selbst, kaum dass er hier begonnen, in seiner Taktung veraltet. Es wird „getwittert“! Und in Bälde wird man nicht nur im Sekundentakt über den Fortgang eines Amoklaufes informiert werden, sondern (liebe Lehrer und andere Bildungsbürger – bitte entschuldigen Sie die Ausdrucksweise) man wird auch der A, B oder C Prominenz in die Intimität des Scheißhauses folgen dürfen. Twitter1: Nach langer Verstopfung, Geschäft erfolgreich! Twitter2: Habe gespült! Twitter3: Kein Toilettenpapier mehr da.

Nun geht es aber nicht um den (Tabu-)Bruch der Intimität. Auch dem Blog, versteht man ihn als „Online-Tagebuch“, liegt ja jener Anachronismus zugrunde, der zwischen der Intimität eines Tagebuches und der Veröffentlichung eines Textes in den Weiten des Netzes liegt. (Nicht erst seit dem Buch von Frau Roche stellt man sich aber ohnehin zurecht die Frage, ob es noch Intimitäten gäbe, die nicht schon längst veröffentlicht sind und ob es insofern außerhalb jener Intimität, die sich aus dem Eigenen speist, überhaupt noch so etwas gibt. Aber dieser Frage gehen wir unter Berücksichtigung der uns bekannten zotigen Vokabeln gerne einmal an anderer Stelle nach, denn Sauereien verkaufen sich immer prächtig.)

Zurück zum eigentlich Anliegen: Dem Übergang der veröffentlichten Meinung zur veröffentlichten Masse. Nicht nur das Netz, sondern auch Bereiche wie die Wissenschaft ersaufen längst in einem Meer aus Veröffentlichungen. Veröffentlichungen, die aufgrund der hohen Taktzahl mit der sie erscheinen, Autoren veranlassen weitere Veröffentlichungen nachzuschieben. Diese Veröffentlichungen veranlassen wieder und so weiter. Der Rhythmus und die schiere Anzahl müssen eingehalten werden. Es hat den Anschein, als hätte sich das Veröffentlichen längst daran gemacht, das Lesen zu ersetzen. Oder ist es tatsächlich schon so? Nun, wenigsten Sie lesen ja noch!
Welche Konsequenzen lassen sich aber aus diesen Einsichten für den Theo Tiger Blog ziehen?
Meiner Ansicht nach gibt es zwei Möglichkeiten: Eine radikale, die einen zusätzlichen Charme, einen Spill-over-Effekt hätte und eine weniger radikale aber in ihrer Durchführung voraussetzungsvollere Variante.
Die radikale Form wäre eine Maßnahme der Sprachabwendung. Ihr Theo Tiger würde diesen Blog hier einstellen und sich ein fortwährendes Schweigen verordnen mit dem zusätzlichen positiven Effekt, nichts falsches mehr schreiben zu können. Die alten Lateiner unter unseren Lesern erinnern sich: Si tacuisses, philosophus mansisses. (Wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben). – Das gleicht die Verbalentgleisungen von oben aber mehr als aus liebe Lehrer. – Ein radikal leerer Blog, der nie erscheint. Dessen Leere Sie allerdings dann bitte auch wahrnehmen müssten.

In Zeiten radikaler Entscheidungen schwimmt Ihr Theo Tiger aber gerne gegen den Strom der Radikalität und entscheidet sich für die anscheinend weniger radikale Variante, nur etwas an dieser Stelle zu schreiben, wenn er glaubt etwas lesenswertes zu haben. Dies auf die Gefahr hin, nie zu einem regelmäßigen Rhythmus zu finden, wann an dieser Stelle wieder etwas erscheint. Sie müssen also immer mal wieder reinschauen, wenn Sie sich erheitern oder einfach nur aufregen möchten und nachsehen ob es etwas neues gibt.

Sie dürfen versichert sein, liebe Leser, dass sich Ihr Theo durchaus der Radikalität bewusst ist, die darin liegt, nur noch etwas zu sagen, wenn man auch etwas zu sagen hat.

Ihr, also doch mit dem Strom schwimmende, Theo Tiger